DER KIEFERORTHOPÄDISCHE PATIENT – VON DER HÖLLE IN DEN HIMMEL

Tabitha Acret erklärt, wie die Guided Biofilm Therapy die Art und Weise revolutioniert hat, wie sie kieferorthopädische Patienten behandelt

Geht es Ihnen genauso wie mir? Mir wird etwas bang ums Herz, wenn ein Patient im Teenageralter mit einer festen Zahnspange einen Termin bei mir hat. Wer wird da wohl durch die Tür kommen? Wird sein Mund voller Essensreste sein, die zwischen schlecht gepflegten kieferorthopädischen Brackets und stark blutendem Zahnfleisch klemmen?

Werde ich unmöglich zu erreichende Verfärbungen um die Brackets sehen oder denken, dass mein Patient gerade eine Packung Chips gegessen hat, nur um herauszufinden, dass er seit dem letzten Termin bei mir einfach seine Zähne nicht geputzt hat?


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Diese Art von Patient habe ich früher immer gehasst, nicht einfach nur, weil ich in seinen Brackets genug Speisereste finden konnte, um eine kleine Nation zu ernähren, sondern weil ich nie mit den Ergebnissen meiner Zahnreinigung zufrieden war. Allzu oft fühlte ich mich unter Druck gesetzt, die Zahnreinigung im Terminfenster für „Kinder“ vorzunehmen, und hatte nie das Gefühl, alles entfernt zu haben.

Ich fühlte mich immer frustriert, wenn ich versuchte, meine Ultraschallspitze um die Brackets zu manövrieren und mit einem Prophy-Handstück und einer Prophy-Paste hartnäckige, klebrige, reife Plaque von den Modulen und auf der Zahnfleischseite der Brackets zu entfernen.

Während ich gestresst vor mich hinarbeitete, verabscheute ich den Patienten auf dem Behandlungsstuhl; wir beide vergossen Blut, Schweiß und Tränen, doch das Ergebnis war unbefriedigend!

Gute Mundhygiene ist für kieferorthopädische Patienten unerlässlich

Gute Mundhygiene ist von höchster Bedeutung, damit kieferorthopädische Behandlungen Erfolg haben. Ohne eine gute Mundhygiene wird das Behandlungsergebnis darunter leiden. Das war frustrierend für mich. In einem Zeitschriftenartikel von Lovrov S. et al. (2007)1 wurde gezeigt, dass „kieferorthopädische Behandlungen trotz verbesserter Materialien und präventiver Bemühungen weiterhin ein erhebliches Risiko der Schmelzdemineralisation bergen.

Die prophylaktischen Bemühungen jedes einzelnen Patienten, einschließlich der Verwendung von Fluorid, sind für die Prävention von White-Spot-Läsionen von größter Bedeutung.“ In einem anderen Artikel von Ren et al. (2014)2 zeigte sich, dass „eine hohe Behandlungsnachfrage und das Auftreten von biofilmbedingten Komplikationen, die eine professionelle Behandlung erfordern, kieferorthopädische Behandlungen zu einer potenziellen Gefahr für die allgemeine Gesundheit machen.“

Durch die Tatsache, dass ich wusste, wie wichtig eine gute professionelle Zahnreinigung und die Entfernung des gesamten Biofilms ist, ist mein Stress nur noch größer geworden. Ich wusste, dass ich nie den gesamten Biofilm entfernen konnte und dass es Bereiche um die Brackets herum geben würde, an die meine Ultraschallspitzen oder Polierkelche einfach nicht gelangen konnten.

Wenn noch hinzukommt, dass der Zahnschmelz des Patienten an den Stellen, wo kein Ultraschall verwendet werden konnte, bereits demineralisiert ist, dann verdoppeln sich noch einmal die Frustration und die Schwierigkeit der Behandlung.

Auf der Suche nach einer besseren Lösung

Aufgrund all dieser zuvor genannten Probleme musste eine bessere Lösung her. Ich möchte meinen Patienten die bestmögliche Behandlung bieten und ich möchte nicht, dass sich noch Biofilm um die Brackets herum befindet, wenn sie die Praxis verlassen.

Nachdem ich zunächst festgestellt hatte, dass Implantatpatienten mit AIRFLOW® (EMS) erfolgreich behandelt werden können, interessierte mich, was es meinen kieferorthopädischen Patienten bieten könnte. Dabei kam heraus, dass ich durch die Verwendung von AIRFLOW® in Kombination mit der Guided Biofilm Therapy erstaunliche Ergebnisse erzielen konnte.

Hätten Sie mich vor AIRFLOW® gebeten, die Plaque meiner kieferorthopädischen Patienten anzufärben, hätte ich wohl gedacht, dass Sie entweder verrückt sind oder etwas gegen mich haben. Vor AIRFLOW® wollte ich die Plaque meiner Patienten, die eine kieferorthopädische Apparatur tragen, nicht anfärben, da dadurch die Stellen sichtbar geworden wären, an denen ich den Biofilm nicht entfernt hatte, weil ich ihn nicht erreichen konnte.

Jetzt färbe ich im Rahmen des GBT-Protokolls die Zahnbeläge bei jedem einzelnen meiner Patienten an.

Guided Biofilm Therapy

Mit dem GBT-Protokoll lässt sich eine vorhersagbare Biofilmentfernung erzielen, wobei auch schwer zugängliche Stellen optimal erreicht werden. Rund um den Sulkus ist es sicher und effektiv, die Oberfläche der Apparatur wird nicht verändert und es ist nicht nur angenehmer für den Patienten und erzielt bessere Ergebnisse, sondern ich bin zufrieden!

Mit meinen Ergebnissen bin ich nicht nur bei der Behandlung selbst viel zufriedener, sondern auch, weil der langfristige Nutzen für den Patienten in Bezug auf Motivation und Aufklärung so viel besser ist. Der Patient und ich sehen nicht nur bessere Ergebnisse, sondern es ist auch klinisch erwiesen, dass sich die Behandlungsergebnisse bei Verwendung einer Plaque-Anfärbelösung für die Biofilmentfernung verbessern.

Botti et al. 20103, Bastendorf et al. 20164 und Viorica et al. 20135 bestätigen alle eine höhere Effizienz in der professionellen Prophylaxe, wenn sie mit einem Anfärbemittel durchgeführt wird. In der Studie von Viorica et al., Dental Plaque - Classification, Formation and Identification,5 wurde gezeigt, dass „die Diagnose von Zahnbelägen mit farbigen Lösungen eine der einfachsten und schnellsten Methoden zur Diagnose von Plaque ist, die deren anschließende Entfernung unter ständiger Kontrolle während des Eingriffs begünstigt.

Mit AIRFLOW®  kann Plaque zu nahezu 100 % entfernt werden.“

Mehr als nur die Reinigung von Brackets

Es gibt zwei weitere wichtige Gründe, warum die Einhaltung des GBT-Protokolls sowohl für kieferorthopädische Patienten als auch routinemäßig bei allen Prophylaxeverfahren wichtig ist. Der erste ist die langfristige Gesundheit des Zahnschmelzes und des Zahnfleisches. Durch den Einsatz der AIRFLOW® -Technologie in Kombination mit AIRFLOW®  PLUS Pulver weiß ich, dass ich dem Zahnschmelz und der kieferorthopädischen Apparatur des Patienten keinen Schaden zufüge.

In einem klinischen Vergleich der Wirksamkeit und Effizienz zweier professioneller Prophylaxeverfahren bei kieferorthopädischen Patienten zeigten Ramaglia et al.6, dass „bei kieferorthopädischen Patienten das Polieren mit AIRFLOW®  im Vergleich zu Polierkelchen und Polierpastewesentlich sicherer, effizienter und effektiver ist, um Verfärbungen und Zahnbeläge zu entfernen.“ Der zweite war, dass ich jetzt Zeit hatte, innerhalb der Terminzeit fertig zu werden.

Ich fühlte mich nicht mehr so unter Druck. Früher war ich bei diesen Terminen immer spät dran, und jetzt war ich locker in der vorgegebenen Zeit fertig. In „Effects of an air-powder polishing system on orthodontically bracketed and banded teeth“7 zeigten Barnes et al., dass „die AIRFLOW®  Behandlung um kieferorthopädische Brackets und Bänder nicht nur effektiv, sondern auch zeitsparend war. Im Vergleich zu Polierkelchen und Polierpastegab es keine nachteiligen Auswirkungen auf Komposit oder Zement.“

Fazit

Durch den Einsatz der Guided Biofilm Therapy mit AIRFLOW®-Technologie in Kombination mit einer geeigneten Mundhygieneinstruktion und Motivation biete ich meinen Patienten die bestmögliche Behandlung. Ich liebe die Guided Biofilm Therapy; sie hat meine Einstellung zur Behandlung, meine Behandlungsergebnisse und die langfristigen Ergebnisse meiner Patienten verändert. Guided Biofilm Therapy ist evidenzbasierte Zahnheilkunde; sie ist der neue Behandlungsstandard, den wir alle zu erreichen versuchen sollten.


tabhita acret background

Tabitha Acret ist ausgebildete Dentalhygienikerin und seit 20 Jahren in der Dentalbranche tätig. Sie hat als zahnmedizinische Fachangestellte, Rezeptionskraft und Praxismanagerin gearbeitet. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Mundgesundheit (Bachelor of Oral Health, BOH) von der Universität Newcastle und bildet sich derzeit in Schlafmedizin fort. Tabitha Acret ist Mitglied der australischen Zahnärztekammer, war die frühere Vorsitzende der NSW Dental Hygienist Association Australia Ltd. und ist die derzeitige Direktorin der DHAA Ltd. für das australische Bundesterritorium Northern Territory (NT). Sie nimmt regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teil, lernt leidenschaftlich gern und möchte das Leben ihrer Patienten verändern. Tabitha Acret arbeitet derzeit 3 Tage in der Woche in einer Privatpraxis, war zuvor an einem Tag in der Woche an der Universität Sydney klinische Ausbilderin für BOH-Studenten im zweiten Jahr, bis sie kürzlich in das Northern Territory zog, um in einer Privatpraxis bei der Einrichtung eines Implantatpflegeprogramms mitzuhelfen. Außerdem arbeitet sie als Ausbilderin für die Swiss Dental Academy.

1. Lovrov S, Hertrich K, Hirschfelder U. Enamel Demineralization during Fixed Orthodontic Treatment - Incidence and Correlation to Various Oral-hygiene Parameters. J Orofac Orthop. 2007 Sep;68(5):353-63. 2. Ren Y, Jongsma MA, Mei L, van der Mei HC, Busscher HJ. Orthodontic treatment with fixed appliances and biofilm formation - a potential public health threat? Clin Oral Investig. 2014 Sep;18(7):1711-8. 3. Botti RH, Bossù M, Zallocco N, Vestri A, Polimeni A. Effectiveness of plaque indicators and air polishing for the sealing of pits and fissures. Eur J Paediatr Dent. 2010 Mar;11(1):15-8. 4. Schwarz F, Becker K, Bastendorf KD, Cardaropoli D, Chatfield C, Dunn I, Fletcher P, Einwag J, Louropoulou A, Mombelli A, Ower P, Pavlovic P, Sahrmann P, Salvi GE, Schmage P, Takeuchi Y, Van Der Weijden F, Renvert S. Recommendations on the clinical application of air polishing for the management of peri-implant mucositis and peri-implantitis. Quintessence Int. 2016 Apr;47(4):293-6. doi: 10.3290/j.qi.a35132. 5. Chetrus V, Ion I.R. Dental Plaque - Classification, Formation and Identification. Int J Med Dent. Apr-Jun 2013, Vol. 17 Issue 2, p139-143. 5p. 6. Ramaglia L, Sbordone L, Ciaglia RN, Barone A, Martina R. A clinical comparison of the efficacy and efficiency of two professional prophylaxis procedures in orthodontic patients. Eur J Orthod. 1999 Aug;21(4):423-8. 7. Barnes CM1, Russell CM, Gerbo LR, Wells BR, Barnes DW. Effects of an air-powder polishing system on orthodontically bracketed and banded teeth. Am J Orthod Dentofacial Orthop. 1990 Jan;97(1):74-81.